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Zungenruhelage – der unterschätzte Wachstumsfaktor

  • anettewill
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn ich Eltern frage, wo die Zunge ihres Kindes in Ruhe liegt, bekomme ich meist einen fragenden Blick.

„Keine Ahnung … unten?“

Und genau hier beginnt ein Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird.

Die Zunge ist kein Muskel, der zufällig im Mund liegt. Sie ist ein aktiver Wachstumsimpulsgeber.

Und ihre Ruhelage entscheidet mit darüber, wie sich der Kiefer entwickelt.



Wo gehört die Zunge eigentlich hin?

In physiologischer Ruhelage liegt die Zunge:

  • breit am Gaumen

  • die Zungenspitze locker hinter den oberen Schneidezähnen

  • die Lippen sind geschlossen

  • die Atmung erfolgt durch die Nase

Diese Position übt einen sanften, konstanten Druck auf den Oberkiefer aus.

Und genau dieser Druck ist gewünscht.

Warum?

Weil Knochen auf Druck reagieren. Sie wachsen dorthin, wo funktionelle Impulse stattfinden.


Was passiert, wenn die Zunge unten liegt?

Bei vielen Kindern – besonders bei Mundatmung – liegt die Zunge am Mundboden.

Das bedeutet:

  • Kein Wachstumsimpuls für den Oberkiefer

  • Der Gaumen bleibt schmaler

  • Die Nasenräume entwickeln sich weniger weit

  • Zahnengstände werden wahrscheinlicher

Der Körper passt sich an die Funktion an, die er täglich lebt.

Und die Zunge ist rund um die Uhr aktiv – auch wenn wir es nicht bemerken.


Wachstum ist Funktion – nicht nur Genetik

Eltern hören oft: „Das ist genetisch.“

Natürlich spielen Gene eine Rolle. Aber Wachstum ist immer auch funktionell gesteuert.

Die Zunge ist einer der stärksten Muskeln im Mundraum. Wenn sie täglich mehrere Stunden am falschen Ort liegt, beeinflusst das die Entwicklung.

Nicht dramatisch über Nacht –sondern schleichend über Jahre.


Die Verbindung zur Atmung

Zungenruhelage und Atmung gehören zusammen.

Ein Kind, das durch den Mund atmet, kann die Zunge nicht stabil am Gaumen halten.

Ein schmaler Oberkiefer wiederum begünstigt eingeschränkte Nasenräume.

Es entsteht ein Kreislauf:

Mundatmung → tiefe Zungenlage → schmaler Oberkiefer → weniger Nasenraum → mehr Mundatmung.

Und dieser Kreislauf beginnt oft früh.


Woran erkenne ich eine tiefe Zungenlage?

Mögliche Hinweise können sein:

  • Offener Mund in Ruhe

  • Lippen müssen aktiv „zusammengepresst“ werden

  • Häufiges Schlucken mit sichtbarer Lippenaktivität

  • Leicht hervortretende Zähne

  • Engstand im Milch- oder Wechselgebiss

  • Hoher, schmaler Gaumen

Wichtig: Es geht nicht um Schuld oder Versäumnisse. Es geht um funktionelle Muster, die sich entwickeln.


Warum wird das so selten thematisiert?

Weil Zähne sichtbar sind –Funktion jedoch nicht.

Wir korrigieren häufig das Ergebnis, aber nicht immer die Ursache.

Dabei ist die Zungenruhelage ein stiller, aber entscheidender Faktor für gesunde Entwicklung.


Ein dentosophischer Blick

In meiner Arbeit spielt die Zungenruhelage eine zentrale Rolle.

Nicht isoliert betrachtet –sondern im Zusammenspiel mit Atmung, Haltung und Spannungsmustern.

Ziel ist nicht, die Zunge „anzutrainieren“, sondern Bedingungen zu schaffen, in denen sie ihre physiologische Position wieder einnehmen kann.

Wachstum braucht Raum. Und Raum entsteht durch Funktion.

Wenn du bei deinem Kind unsicher bist, wo die Zunge in Ruhe liegt, oder ob sich Mundatmung und Entwicklung gegenseitig beeinflussen, lass es frühzeitig anschauen.

Je früher funktionelle Zusammenhänge erkannt werden, desto sanfter lassen sie sich begleiten.

 
 
 

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